Dokumentarfilm Dossier “Sonnhild” (Arbeitstitel)

Dossier SONNHILD

 

Strassen-Tempel, Mood, Kolkata, Indien, 1'13", 2048x1080

Nach einem frustrierenden Tag, abends die entspannung bringende Entdeckung dieses Strassentempels, der Sonnhild wieder glücklich macht.

1 SYNOPSIS

«Sonnhild» ist ein durch und durch visuelles Porträt der radikalen Zürcher Textilkünstlerin Sonnhild Kestler, gesehen durch die Augen einer anderen Zürcher Künstlerin, Christine Munz. Munz folgt ihr genau so radikal, als One-Woman-Crew, während anderthalb Jahren auf deren Aufbruch zu neuen Ufern und reist mit ihr nach Indien, Italien und den USA. Sonnhild ist Christine Freundin und schon seit der Schule immer auch Vorbild als selbstbestimmte Frau und Künstlerin.

Bis ins Jahr 2017 pflegte Sonnhild Kestler einen Arbeitsstil, der durch komplette Kontrolle geprägt ist. Von der ersten Idee bis zum letzten Handgriff - sie entscheidet und macht alles allein. Durch die Gefahr der Schliessung ihrer Druckerei in Mitlödi bekommt die Kontrolle Risse. Sonnhild sieht sich gezwungen, sich zu wandeln. Der stete Rhythmus, der Kestlers Arbeit während 30 Jahren getragen hat, erlebt eine Störung und ändert seine Dynamik. Sie entfernt sich von der Tuchproduktion und der Arbeit am Laufstoff, beginnt Wandbilder zu entwerfen, Teppiche, Kissen, Polster, Kunstobjekte, lässt diese Entwürfe aber von anderen Menschen malen, weben und sticken. Sie gibt Kontrolle ab, geht mit ihrer Arbeitsweise in eine neue Offenheit hinein, erweitert sich, experimentiert und entwickelt eine neue Praxis.

Macht ihr die Veränderung Angst oder kommt es einer grossen Befreiung gleich? Sonnhild ist 55 Jahre alt und fragt sich, wie sie es weitergehen soll: Die Schweiz oder die Welt?

Auch Kamerafrau Munz ist 55 Jahre alt und fragt sich wie es weitergehen soll: TV oder Kunst? Auftragsarbeit oder selbstbestimmtes Arbeiten? Sicherheit oder Risiko? Stillstand oder Entwicklung? - Davon erzählt dieser Film. Ohne explizit oder erklärend zu sein. Einfach ganz von selbst durch ein eintauchen in Sonnhilds Welt mit Christines Bildern. «Sonnhild» ist eine filmische Liebeserklärung an die Kreativität und lebt von der subtilen Spiegelung zweier starken Künstlerinnen. Eine Extrovertierte vor und eine Introvertierte hinter der Kamera. Zusammen sorgen sie für einen intimen und unkonventionellen Film über was Künstlerinnen inspiriert, hindert oder antreibt.

2 Sonnhild Kestler

Sonnhild Kestler wurde 1963 in Deutschland geboren und wuchs in Zürich in der Schweiz auf. 1981-1985 Textilfachklasse an der Schule für Gestaltung Zürich (heute ZHdK). 1988 eröffnete sie ihr eigenen Atelier mit Hand - Siebdruckerei. Seither entwickelt sie Druckdesigns für Schäle, Tücher; Shirts, Kleider und Accessoires. Ihre Kollektion umfasst auch extern produzierte Frottiertücher, Baumwoll- und Wolltextilien, Kissen und Teppiche mit ihren Designs. Sonnhild Kestler ist eine der letzten Seidenhandwerkerinnen Zürichs – der Stadt, die wegen der Seide Mitte des 18. Jahrhunderts eine der vermögendsten des Abendlandes war. Sonnhild lebt in Zürich mit ihrem Lebenspartner. Die Wohnung ist klein, Ihr Atelier gross. Sonnhild bezeichnet sich selber als Textilgestalterin. In Wirklichkeit ist sie eine eigenwillige Künstlerin, die konsequent, ja geradezu radikal ihren eigenen Weg geht. Sie kreiert neue Welten, bewegt sich im eigenen Kosmos. Kennzeichnend sind ein starker Charakter, ein unverwechselbarer Stil und Qualität. 2010 wurde sie vom Bundesamt für Kultur mit dem Schweizer Grand Prix Design für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Seit dreissig Jahren entwirft und druckt sie ihre unverkennbaren Hals- und Schultertücher. In ihrem Atelier druckt sie eigenhändig Foulards, in der Druckerei Mitlödi arbeitet sie mittels Hand-Siebdruck an Meterstoffen.

Die Ästhetik bedient sich urtümlicher Traditionen aus unterschiedlichsten Gegenden dieser Welt, so zum Beispiel aus Indien, Graubünden, Syrien, Disneyland. Es handelt sich um einen Mix aus Volkskunst und Verfremdung, ein Spiel mit Zeichen, Icons, «Zeitikonen» und den jeweiligen Botschaften, die sie aussenden. Es geht um eine Überlagerung von beispielsweise Schweizer Trachtenmotiven und Götterdarstellungen aus Indischen Tempeln. Die Gestaltung ist üppig und extrem farbig. Sonnhild orientiert sich am Ort in dem sie ist, sucht nach dem speziellen im alltäglichen, dem unfertigen, dem nicht designten, dem unverhofft Schönen. Sie findet Dinge die sonst niemand beachtet.

Und doch ist Sonnhilds Kunst vor dem Aussterben bedroht. Ihre Druckerei in Mitlödi, GL, könnte die Tore schliessen. Was nun? Endet hier Sonnhilds und damit die 350 Jahre alte Seidenhandwerkgeschichte von Zürich? Oder wirkt der Zwang zur Veränderung wie eine Befreiung in eine unbekannte aber spannende Zukunft, dem Sprung in die grosse Welt?

Seit 2008 Kooperiert sie mit der Textilfirma Maharam, New York
2019: Artikel im New York Times Magazin «A Designer Who Turns Simple Paper Shapes Into Kaleidoscopic Textiles.»

Mary Murphy (Maharam New York) über Sonnhild, 3'40"

 

Dokumentarfilm, ca. 80 Minuten

Regie, Kamera, Ton: Christine Munz
Montage: Katarina Türler
Produktion: This Lüscher
Presence Production GmbH
Stapferstrasse 27
8006 Zürich
luescher@presenceproduction.com
+41 76 526 97 97

8 DREHORTE

Schweiz: Zürich ZH und Mitlödi GL
Indien: Rajasthan und Kolkata
USA: New York & Chicago
Italien: Verschiedene Orte in Norditalien

BEREITS GEDREHT
2019
4 Drehtage Indien: Rajasthan und Kolkata
2 Drehtage Grosse Internationale Ausstellung von Sonnhild Kistler, Impressionen und Interviews, Chicago
2 Drehtage Besuch bei Mary Murphy Vizepräsidentin von Designriese Maharam und zukünftig grösste Förderin Sonnhilds, Interviews, Begegnungen und Impressionen, New York
1 Drehtag Sonnhild Kestler Privat und im Atelier Zürich

ZUKÜNFTIG ZU DREHEN

2021
JANUAR - APRIL
2 Drehtage Siebdruckerei Mitlödi, Glarus
1 Drehtag Boutique/Laden Sissi Zöbeli/Sonnhild Kistler, Zürich
1 Drehtag Lieblingskunden, Interviews und Geschichten, Altstadt Zürich
2 Drehtage Fahrt nach Italien mit der Suche nach einer neuen Druckerei, Schweiz on-the-road und Norditalien
2 Drehtage Gespräche an verschiedenen Orten mit Mattias Georg, Isabel Rotzler, Urs Spuler und Bärbel Birkenbach
1 Drehtag Sonnhild auf der Vespa, POV Vespa, Fahrten durch die Stadt, leftovers

Moods Sonnhild als Model in den 80er Jahren

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Sonnhild Social

 

Sonnhilds LIEBLINGSKUNDEN

Jasmine Greco, Architektin, eine der ersten Kundinnen Sonnhilds, trägt ihre Sachen seit jeher.

Jeanine Graf, gute Kundin Sonnhilds. Hat Sonnhilds Tuch zur Unterstützung ihrer Behandlung in den Spital mitgenommen.

Pia Camponovo, Gastronomin vom Baseltor in Solothurn. Gute Kundin seit den Anfängen

3 ANMERKUNGEN DER AUTORIN/REGISSEURIN

Seit dreissig Jahren drehe ich; (Dokumentar-) Filme, Fernsehbeiträge, Trailer und Imagefilme unter der Regie von anderen, mit einer Filmkamera die nicht mir gehört. Neben meiner cinematographischen Arbeit führe ich seit Jahrzehnten eine autonome künstlerische Praxis. Ich arbeite mit jeder Art von Bildern; Gemälden, Zeichnungen, Photographie, Videos, Skulptur. Dieses Bildmaterial erarbeite ich meistens als Teil von Public Art Projekten, die ich gestalte. Es brauchte seine Zeit, doch nun bin ich bereit, meine Autonomie in einem Dokumentarfilm zu «beweisen».

Und es ist keine Frage, dass ein Film über Sonnhild mein erstes eigenes Filmprojekt wird. Im Vorkurs der Kunstgewerbeschule Zürich, lernte ich 1980 Sonnhild kennen. Wir wurden Freundinnen. Seit dem ersten Moment bewundere ich Sonnhild für ihre Eigenständigkeit, ihre Persönlichkeit und die Selbstverständlichkeit, die eigene Arbeit wichtig zu nehmen. Ihr gestalterischer und künstlerischer Werdegang ist vorbildhaft für mich, und ich erkenne meine eigene Rolle in der Beobachtung ihrer Person.

Auch ich bin passioniert meine Projekte zu realisieren und doch, im Vergleich zu Sonnhild, lasse ich mich oft ablenken mit Arbeiten für Andere, die ich in der Regel prioritär erledige. Das ärgert mich an mir. Da kann ich von Sonnhild lernen.

Sonnhild ist grossartig. Sonnhild ist fremd. Fremd in den Formen und Farben, die ich so nie wählen, kreieren, kombinieren würde. Ihre Arbeit hat etwas Kindliches, etwas Spielerisches. Sonnhild nimmt ihre Arbeit ernst. Sie experimentiert mit ihren rauen/rohen Formen und ihren selber gemischten Farbtönen. Und Sonnhild ist genau, pedantisch genau. Kein Farbton ein Zufall, keine Schnittkante nicht genau so gewollt. Sehr präzise.

Ich schaue Sonnhild sehr gerne zu, im Atelier, beim Arbeiten, auf Reisen, beim Entdecken, und sich Inspirieren lassen von Absurdem und Alltäglichem. Sonnhild lässt sich nicht gerne beobachten oder ablenken. Wenn ich aber dabei einen Film drehe, arbeite ich auch. Dann sind wir in der gleichen Welt und ich kann ihr uneingeschränkt zuschauen bei der Arbeit, die für sie existenziell wichtig ist, weil ihre Kunst für sie der einzige gangbare Weg ist.

Das Zuschauen und Zuhören, das nahe dabei sein, wenn Sonnhild gestaltet, reist oder über die Welt nachdenkt, macht mich glücklich und wird das Publikum fröhlich stimmen.

Sonnhild ist die mit den Tüchern: Ist Sonnhild Kestler Textilgestalterin oder Künstlerin? Wie weit kann sie, die in der Modebranche zu überleben hat, selbstbestimmt über ihre Identität bestimmen? Ich bin die mit der Kamera: Bin ich Kamerafrau oder Künstlerin? Eine Frage, die mich umtreibt, da meine eigene künstlerische Arbeit im Bereich Fotografie, Video und Installation sich mit dem Beruf der Kamerafrau schwer vereinbaren lässt.

Sonnhild Kestlers Veränderungsprozess fordert sie heraus, diese Trennlinien zu durchbrechen. Unlimitiert in die Breite zu arbeiten. Das Bekenntnis zur Kunst. Das ist es, was mich interessiert, und was ich im Künstlerinnenporträt zeigen möchte.

Unsere Veränderungsprozesse sind gegenläufig. Geht es bei Sonnhild Kestler, die bisher konsequent allein gearbeitet und Besuche im Atelier gehasst hat darum, Kontrolle über das eigene Werk abzugeben? Den Weg und die Praxis mit anderen zu teilen? Geht es bei mir, die ich durch kontinuierliche Film- und Fernseharbeit an Teamwork gewohnt bin darum, die Kontrolle über ein eigenes Werk zu entwickeln? Die Entscheidungshoheit über meinen Film einzufordern?

Die Frage nach der Selbstbestimmung in der Arbeit an der Grenze von Handwerk und Kunst, und ein gegenläufiger Selbstermächtigungsprozess verweben sich zu einem Künstlerinnenporträt von grosser Nähe und Intimität.

Christine Munz

Mood, Rajastan, Indien, 1'33", 2048x1080

 

4 ANMERKUNGEN DER PRODUKTION UND ARBEITSWEISE

Ich kenne und schätze Christine Munz seit fast 30 Jahren. Sie hat bei vielen Filmen von mir als Kamerafrau das Bild gestaltet und als Persönlichkeit auf dem Set für eine vertrauensvolle Atmosphäre gesorgt. Angefangen bei Kurzfilmen in den 90er-Jahren, Werbung in den Nuller-Jahren bis hin zu meinem Kinodokumentarfilm «Hoselupf» und diversen Arbeiten für SRF, wie z.B. die Dokumentarfilme «Hasslers Universum» oder «Rotkäppchen und das Seelenkrokodil» in diesem Jahrzehnt.

In all diesen Jahren habe ich Christines stete Wandlung von der Fotografin und Kamerafrau zur Künstlerin, die sich in Installationen, Projektionen, Kunstfilmen, und Mixed Media Produktionen ausdrückt, mit Freude beobachtet und war daher alles andere als erstaunt, als sie an mich und die Presence Production GmbH trat, mit der Frage, ihren ersten längeren Dokumentarfilm als Autorin/Regisseurin zu produzieren.

Gleichzeitig war mir auch klar, dass es schwierig sein würde ihren Erstling auf dem konventionellen Weg zu finanzieren. Einerseits weil es ein Erstling in relativ hohem Alter ist, andererseits wegen der doch sehr besonderen Machart dieses Films: Christine Munz macht (fast) alles allein – und das hochprofessionell – genau so wie ihr Sujet und Vorbild, Sonnhild Kestler.

Christine Munz ist eine Künstlerin mit vielen Talenten. Das schreiben eines längeren Exposés jedoch oder einer Drehvorlage gehört definitiv nicht dazu. Eine solche Vorlage fehlt dann logischerweise auch in diesem Dossier.

Die Ausschreibung Fast Track und ihr Aufruf nach abweichenden Projekten kommt da wie gerufen. (Was nicht wegnimmt, dass wir in vielen gemeinsamen Gesprächen, wie ich finde, doch ziemlich gut die Essenz, Ausgangslage und Entwicklung des Films herausgearbeitet haben.

Die Parallelen zwischen der Regisseurin und ihrem Sujet, Sonnhild Kestler sind so offensichtlich, dass ich Christine Munz’ Gefühl, diesen Film einfach machen zu müssen sehr gut nachvollziehen kann. Die schillernde Persönlichkeit Sonnhilds, die Einzigartigkeit ihrer Arbeiten und das Thema der Frauen, die sich erst spät im Leben erlauben, sich als Künstlerin zu bezeichnen und auch als solche aufzutreten, sind starke Elemente für einen Film von einer starken Frau – für ein Frauen und Kunst interessiertes Publikum.

Erstes gesichtetes Material von Sonnhilds Reise in Indien stimmt mich zuversichtlich, dass es Christine gelingen wird Sonnhilds Kraft und ihre Kunst genau so bunt und treffend einzufangen. Noch schöner ist aber die grosse Intimität, die aus den Bildern spricht und für ein gefühlvolles Portrait unumgänglich sind. Christine und Sonnhild kennen sich sehr gut und vertrauen einander. Und das ist bei Sonnhild sehr wichtig. Niemand anders ausser Christine Munz dürfte einen Film über sie machen. Sie würde es nicht zulassen.

Dieser Film hat also eine spezielle Konstellation und Ausgangslage. Er bedeutet sowohl für die Protagonisten als auch für die Regisseurin eine wunderbare Art von Premiere.

Christine Munz und ich wissen beide, wie man mit schwierigen Figuren, die viel Aufmerksamkeit und Behutsamkeit brauchen, umgeht. Bei der SRF Sternstunde Kunst Produktion «Rotkäppchen – und das Seelenkrokodil» haben wir die Hauptprotagonistin Li, die nach dem ersten Drehtag die Dreharbeiten abgebrochen hat, mit viel Geduld und persönlichem Einsatz vom Gegenteil überzeugt. Ihr hat später der Film sogar sehr gefallen.
Es sind wohl diese menschlichen Qualitäten Christines, neben der künstlerischen, die mich davon überzeugen, dass «Sonnhild » ein persönlicher, ehrlicher und intimer Arthouse Dokumentarfilm wird, der dem Publikum eine sehr spezielle Künstlerin näherbringt.

Bis jetzt sind 9 von geplanten 18 Drehtagen abgedreht. Diese Drehtage sind Sonnhilds Reisen nach Indien und der USA gewidmet und waren unaufschiebbar und/oder unwiederholbar.

Christines Munz Leidenschaft, ihr Drive und die Dringlichkeit, diese Reisen unbedingt aufzunehmen, haben dazu geführt, dass bereits die Hälfte des Films aufgenommen ist, ohne dass er finanziert ist. Fertigstellen können und wollen wir diesen Film auf diese Weise allerdings nicht. Soviel steht fest.

Auf der anderen Seite bin ich aber auch sehr froh über diese Arbeitsweise. Denn das umfangreiche Material dieser Drehtage zeigt bereits jetzt sehr viele wunderbare Nuancen der Arbeit und des Menschen Sonnhild Kestler. Mehr denn je bin ich überzeugt von der Kraft der Bilder dieses Films.
Doch noch fehlen uns zwei wichtige Dinge um mit dem Rohschnitt zu beginnen und die weiteren 9 Drehtage in Angriff zu nehmen. Das eine ist die Finanzierung und das andere ist die Zeit unseres Wunsch Editors.

Denn, dass aus der Fülle des Materials auch eine feinfühlige und emotionale Geschichte entsteht, dafür wird im Schnitt die sehr erfahrene Katarina Türler, «Gouden-Kalf»- Preisträgerin in den Niederlanden, sorgen. Ich habe mit ihr schon mehrfach zusammengearbeitet, zum letzten Mal bei meinem prämierten Spielfilm «Rider Jack», 2015. Ich bin überaus glücklich über ihre Zusage, da Türlers Stil der Montage sehr gut mit Munz’ Stil der Kameraarbeit harmoniert.

Die Aufnahme der restlichen Dreharbeiten, den Schnitt sowie die Mischung und die Endfertigung sind für 2021 geplant. Wir hoffen sehr, dass wir die benötigten Mittel für die Umsetzung dieser Planung bis Ende 2020 sicherstellen können.

This Lüscher
Presence Production GmbH

5 THEMA, ENTWICKLUNG UND STIL

In «Sonnhild» geht es um die Geschichte und die Freundschaft von zwei Frauen, künstlerische Selbstbestimmung, schwierige Entwicklungsprozesse, und Kreativität oder Kunst als ein Mittel, das Leben zu meistern. Sonnhild Kestler ist ein Workaholic. Andere sagen, dass Arbeiten sie einfach glücklich macht. Wenn Sonnhild arbeitet, bewegt sie sich in ihrem eigenen (und sicheren) Kosmos. Ihr Atelier spiegelt das wieder. Einmal jährlich reist sie nach Indien. Rajastan, Delhi und Kolkatta inklusive outbacks. Diese Reise ist sowohl Arbeit und Inspirationsreise. In Rajastan werden ihre Teppiche gewoben, in Kolkata ihre Kissen und Tücher bestickt. Es ist wichtig im Kontakt mit den Menschen vor Ort zu sein. Sonnhild ist sehr begeistert und tief berührt von den handwerklichen Leistungen ihrer Leute.

Auch im Leben macht Sonnhild gerade eine grosse Reise. Sie entfaltet ihre Flügel und entwickelt sich zu ihrer wahren Grösse. Einer Weltgrösse. Damit einher, gehen verschiedene Emotionen und Prozesse: Euphorie, Angst vor Kontrollverlust, Freude an der internationalen Anerkennung, Vertrauen durch Zusammenarbeit.

Dieses Gefühlswechselbad steht zentral in der gegenwärtigen Entwicklungsgeschichte von Sonnhild – aber auch von Christine Munz, der Künstlerin hinter der Kamera, die sich von der gewohnten sozialen Position hinter der Kamera, in ihrem Leben im Allgemeinen und diesem Film im speziellen, löst. Bei beiden findet also eine Transformation statt.

Dieser Film hält den Prozess zweier KünstlerInnen fest und soll anderen Frauen – und Männern – Mut machen auf ihrem Weg zur vollumgänglichen und von Angst befreiten Selbstbestimmung.

Visuell wird es ein sehr ruhiger, bunter Film mit einem leisen, feinen Humor, viel Intimität und überraschenden Einblicken in für die meisten gänzlich unbekannten künstlerischen Prozesse.

Sonnhilds Muster sind visuelle Leitmotive durch den ganzen Film, tauchen immer wieder auf, bilden wunderbare Kontraste zum nicht immer so fröhlichen Zürich.

In «Sonnhild» tauchen wir auch in die Vergangenheit ein. Mit wunderbaren Zeitreisen ins Zürich der 80er und 90er Jahre, in die Adoleszenz der Macher und der Hauptprotagonistin, der Kunstgewerbeschule, der ersten eigenen Boutique, den grossen Lieben und dem damaligen Zeitgeist.

Eine kleine ganz andere visuelle Nebengeschichte wird mit den Instagram-Posts Sonnhilds erzählt. Zuerst eine grosse Kritikerin sozialer Medien, hat sich Sonnhild auf kuriose Weise zum Instagram-Fan gemausert. Sie hat unterdessen selbst eine grosse Fangemeinde und füttert diese auch laufend mit neuen Motiven. – Auch dies wieder eine Gemeinsamkeit von Sonnhild und Christine. Womit wir über diese an die Öffentlichkeit gerichtete künstlerische Selbstdefinition, zum Schluss wieder beim Grundthema dieses Films wären.
Ein schöner, warmer, bunter Kreis. So soll schlussendlich auch dieser Film werden.

Sonnhild Kestler bekommt Drucktest aus Italien, Atelier Zürich, 1'37"

 

6 GESTALTUNG

Diesen Film drehe ich 35mm digital mit Brennweiten zwischen 35 und 50mm. Das 35mm mit offener Blende gedreht ermöglicht Unschärfen im Hinter- oder Vordergrund ohne das Umfeld, die Umgebung zu verstecken. Wir sollten noch Miterleben, was um uns herum geschieht. Die Kameraführung ist relativ ruhig und bewegt sich mit den Aktionen der Protagonist*innen oder wird durch Bewegungen vor der Kamera geleitet. Ich drehe Handkamera, nicht auffällig aber trotzdem anwesend.

Ich werde in diesem Künstlerinnen Portrait sehr nahe an Sonnhild sein. Es ist eine Art Gespräch zwischen uns. Wir arbeiten beide die ganze Zeit in der wir für diesen Film zusammen sind. Es hat keinen Platz für andere Menschen.

Ich begleite Sonnhild, ohne einzugreifen, ohne Fragen zu stellen. Ich beobachte einfach, was sie macht und geh mit ihr mit. Und doch fordere ich ganz klar ein, was ich sehen und welche Orte und Menschen ich besuchen möchte. So kommt es, dass Sonnhild Kestler zum ersten Mal die Weber und Stickerinnen besucht, die ihre Entwürfe produzieren, wir sind dort, wo die Familien leben, wo die Nadeln reingestochen und wieder herausgezogen werden, dort, wo die Menschen des Dorfes auf uns warten und mir zuschauen, wie ich Sonnhild beobachte, die wiederum die Weber und Stickerinnen beobachtet.

Der Film kommt mit vorhandenem Licht aus nach dem ich mich beim drehen richte (Set drehen oder zu entsprechenden Tageszeiten drehen). Viele Bilder dieses Films sind Komplex zu lesen und brauchen eine gewisse Zeit, erfasst zu werden. Die Montage wird fliessend sein, wenn immer möglich in der Bewegung geschnitten um dem «vollen» und teilweise «exotischen» Bildmaterial Raum zu geben. Die Geräusche der Locations haben viel Gewicht, transportieren zusammen mit den Bildern die Stimmung der Orte und Situationen.

Auch die weiteren Protagonistinnen und Protagonisten werden szenisch gedreht und befragt. Sie sprechen und bewegen sich in Positionen und an Orten die für sie natürlich sind, die einen Bezug zu ihrer Person haben.

Zusammen mit diesem Filmdreh fällt der Anfang von Sonnhilds Instagram-Karriere. Diese erzählerische Nebenlinie in den Sozialen Medien wird in der Bildgestaltung mitspielen.

Musik wird minimalistisch eingesetzt, ich stelle mir kargen Jazz vor und Klassisch, Erik Satie, Minimal Music, Dadaistische Kompositionen. Bei einem meiner allerersten Kurzfilme vor 25 Jahren war mein Produzent This Lüscher verantwortlich für die Filmmusik. Sehr gerne möchte ich diese Konstellation bei meinem ersten Kinofilm als Regisseurin wiederholen.

9 CREW & VERLEIH

* angefragt 1, * bestätigt 2

Produktion Presence Production GmbH 2
Produzenten This Lüscher 2, Simone Häberling 2
Regie, Kamera & Ton und Graphics Christine Munz 2
Schnitt Katarina Türler 2
Tonnachbearbeitung und Mischung Michael Sauter 1
Musik This Lüscher 2
Grading Cinegrell 1
Verleih n.n.

10 MILESTONES

ENTWICKLUNG

Herbst 2018 Kontaktaufnahme Christine Munz mit Projektidee «Sonnhild»
Winter/Frühling 2019 Recherche und Konzepte zu Inhalt, Erzählweise und Gestaltung

ERSTE DREHPERIODE

Januar 2019 Erste Drehtage in Indien
Juni 2019 Dreh in den USA
Oktober 2019 Drehtag in Zürich und vorläufiger Drehstopp.

WEITERENTWICKLUNG

Winter 2020 Sichtung des Materials
Frühling 2020 Schnitt von Moodsequenzen, Schärfung des Themas

FINANZIERUNG

Mai – Juni 2020 Erarbeitung eines Projektdossiers
Juni – Dez. 2020 Finanzierung

ZWEITE DREHPERIODE

Januar – April 2021 Drehperiode mit den letzten 9 Drehtage

SCHNITT

Februar – Mai 2021 Schnitt
Februar – Mai 2021 Filmmusik: Skizzen, Try Outs, Aufnahmen
15. Mai 2021 Picture Lock
Juni – Juli 2021 Tonnachbearbeitung
August 2021 Grading, Titel und Fertigstellung

PREMIERE

Januar 2022 Premiere Solothurner Filmtage

FESTIVALS UND KINO

Januar – Dez. 2022 Weitere Festivals und Kinostart Deutschschweiz

11 ZIELSETZUNG UND ERFOLGMESSUNG

Ziel ist die Thematisierung der schwierigen Selbstbestimmung von Frauen und Künstlerinnen im speziellen. Das wollen wir nicht mit einem journalistischen und allgemeingültigen Ansatz sondern mit einer durch und durch visuellen und selbsterklärenden Beobachtung und Reflektionen erreichen. Das Thema schwingt sozusagen im Hintergrund eines persönlichen Künstlerporträts mit.

Ein Erfolg ist für uns, wenn «Sonnhild» sein Zielpublikum erreicht, berührt und etwas auslöst. Gedanke, Diskussionen, Gefühle. Im Idealfall erreicht der Film eine Festivalkarriere und Kinoauswertung. Möglicherweise begleitet von thematischen Podiumsdiskussionen.

12 AUSWERTUNGSKONZEPT

«Sonnhild» ist ein feinfühliger und vielschichtiger Art House Dokumentarfilm der wahrlich von seinen Bildern, seiner Langsamkeit, seiner Liebe zum Sujet, und einer grossartigen Frau und Künstlerin lebt. Gerade auf der Leinwand werden die Qualitäten des Films zum tragen kommen. Es liegt uns daher besonders am Herzen, «Sonnhild» einen Kinostart in der Deutschschweiz zu ermöglichen. Es geht uns nicht um die Quantität sondern mehr um die Qualität der Spielorte und Zeiten. Lieber gute, dafür weniger Slots als nach der ersten Woche schon durch. Als Verleih angedacht ist die Filmcoopi mit der wir auch bei anderen Projekten zusammen arbeiten.

Wir sprechen vor allem Frauen und Thema-sensible Männer an. Unser Zielpublikum ist urban, kulturaffin und zwischen 35 und 70 Jahre alt. Wir hoffen aber auch die einen oder anderen jüngeren aus der Kulturbranche durch Publikumswirksame Events ins Kino zu locken. Wir möchten daher wo immer es geht, die Kinovorstellung von einer Podiumsdiskussion oder mindestens von einem Q&A mit der Regisseurin begleiten lassen.

Wir glauben, dass vor dem Kinostart, die Solothurner Filmtage der ideale Ort ist um «Sonnhild» zu lancieren, da wir dort auf ein hohes Publikumsinteresse und volle Säle zählen können. Nach Solothurn hoffen wir auch auf eine Festivalteilnahme am «Visions de Réel» in Nyon um «Sonnhild» einem frankophonen Publikum vorzustellen.

Die Tatsache, dass Regie & Kamera, Produktion & Musik und Schnitt neben der Schweizerischen auch die Niederländische Staatsbürgerschaft besitzen, berechtigt uns den Film ausserdem am Nederlands Filmfestial in Utrecht einzureichen. Ausserdem erhoffen wir uns dadurch auch erhöhte Chancen auf eine Teilnahme an der IDFA in Amsterdam.

TV Ausstrahlungen von Schweizer Fernsehen SRF und ARTE bilden neben VOD Verkäufen das Ende der Auswertungskette von «Sonnhild».

Ich wähle einen Trailer zu meinem Referenzfilm (über das Artist-in-Residence-Programm zwischen KAUST Enrichment Program und artists in labs 2019), weil ich diesen Film von A bis Z selber produziert habe (Dreh, Montage, Ton, color correction, Grafik, Titel)

Weitere Figuren

Urs Spuler, Mary Murphy, Sissi Zöbeli, Mattias Georg, Bärbel Birkenbach, Isabel Rotzler

URS SPULER, 75

Urs Spuler, ehemaliger Geschäftsführer der Mitlödi-Druckerei. Spulers Leben ist Textil und da findet sich die tiefe Verbindung mit Sonnhild. Ihr Traum war immer der Siebruck und Spuler half ihr seit 1988 massgeblich dabei. Die Druckerei Mitlödi ist noch heute der Ort, wo Sonnhild ihre Laufmeterstoffe in Handdruck-Technik drucken lässt.
Sonnhild sieht in Urs einen Schutzengel, einen Mäzen in ideellem Sinn. Urs Spuler fördert Sonnhild Kestlers Siebdrucken. Ohne ihn, sagt sie, hätte sie es nie bis hierhin geschafft. Er ist «Vaterfigur» und «guter Geist».

MARY MURPHY, 68

Mary Murphy, Senior Vice President at Maharam. Maharam is recognized for its rigorous and holistic commitment to design as a leading providerof textiles to architects and interior designers. Maharam embraces a range of disciplines, from product, graphic, and digital design to art and architecture.
Mary Murphy entdeckte Sonnhild Kestler via Urs Spuler. Mit Mary und Maharam lässt Sonnhild sich das erste Mal auf eine Zusammenarbeit ein, in der sie nicht mehr die totale Kontrolle über ihre Kunst hat. Das ist eine grosse Herausforderung für Sonnhild und ängstigt sie manchmal. Gleichzeitig freut sie sich auf diese neue Kollaboration. Maharam lässt Teppiche, Möbelstoffe etc. von Sonnhild fertigen, Sonnhild bekommt einen kleinen Prozentsatz pro verkauftes Stück. Die Arbeit mit Maharam ist ein Wendepunkt, etwas Neues.

Sissi Zöbeli, 70

Eigentümerin des Ladens «Thema Selection» in der Zürcher Altstadt, Partnerin im Ladenbetrieb in dem Sonnhild seit 1995 einen Shop im Shop betreibt. Zöbeli ist ein fixer Punkt in Kestlers Leben, bietet Sonnhild eine Plattform um sich auszubreiten, ihre eigenen Arbeiten zu verkaufen und auszustellen. Sissi mag die Öffentlichkeit, ist in der Designer-Szene verankert und sozialisiert gerne. Alles Dinge, denen Sonnhild gerne aus dem Weg geht.
Sissi profitiert von Sonnhilds Kunst und Kreativität, unter anderem weil diese ihre Sachen exklusiv bei Thema Selection verkauft. Die beiden Frauen sind seit langem Geschäftspaar und Freundinnen mit den dazugehörenden Freuden und Spannungen.

MATTIAS GEORG, 60

Mattias Georg, war der erste Geschäftspartner Sonnhilds und eine grosse Liebe. Sie eröffneten zusammen 1988 ihre erste Boutique am Nägelihof in Zürich.

Fashion Magazine «See You» schreibt 2011 folgende Erinnerung: «A couple of weeks ago I met fashion designer Matthias Georg who is a fashion designer since the early eighties. It was exciting to hear from him about that particular time when he started doing fashion. In those years being (or wanting to become) a fashion designer was quite an exotic thing in Switzerland, but Matthias made his way. After some semesters studying fashion at Zurich's University of applied arts, an internship in Rome (at Valentino's!), Matthias returned back to Switzerland to work as patternmaker for Ursula Rodel's Thema Selection, and later for Zurich's then «Cashmere Queen» Elisabeth Bossard. In 1988 he opened his own store together with his friend Sonnhild Kestler. It seems that their shop in Zurichs center city (at Nägelihof, later at Storchengasse) was a courageous boutique for that time with exciting fashion and windows that were as exciting.
Matthias and Sonnhild were not only kind enough to show me some pictures of their creations of that time, but also let me publish them on my blog.

BÄRBEL BIRKENBACH, 76

Bärbel Birkenbach war Leiterin der Textilabteilung an der ZHdK 1982-2004 und Sonnhilds Dozentin in der Textilfachklasse. Bärbel verkörpert Sonnhilds Rollenmodell, eine unabhängige Frau, die sagt was sie denkt, die zu ihrer Haltung steht und Kritik anbringen kann. Eine Sparringspartnerin, eine von Sonnhild selbstgewählte Zweitmutter, die auch ein Fan von ihr ist und sie unterstützte. Birkenbach führte ein Gespräch mit Sonnhild Kestler im Buch «Female Chic» von Gina Bucher: «Es gibt immer eine Million von Möglichkeiten»

ISABEL ROTZLER, 27

Isabel Rotzler studiert Fotografie an der F&F in Zürich und wurde durch Zufall Sonnhilds Assistentin. Sie ist eine Macherin, jung und easy going, bewegt sich mit Leichtigkeit und «angstfrei» im Leben. Sonnhild geniesst das. Isabel ist die erste Hilfe, die Sonnhild regelmässig über zwei Jahre bei ihrer Arbeit assistieren lässt. Isabel geht 2018 mit auf Sonnhilds Indienreise.

Thema Selection Gruppenfoto 1997